Lauda startet Preiskampf
Airline-Chef Niki Lauda fliegt ab Oktober nach Frankfurt und fordert den raschen Bau der dritten Piste in Schwechat.
Lauda an den Flughafen: "Bei der dritten Piste hört sich der Spaß auf. Sie muss so schnell wie möglich her."

KURIER: Sie fliegen ab Oktober nach Frankfurt, ab März nach Moskau. Setzen Sie sich auf die lukrativen Business-Strecken der AUA?
LAUDA: Wir müssen fliegen, wo Verkehr ist. Frankfurt ist eine der wichtigsten Destinationen aus Österreich. Es gibt genügend Destinationen, die noch monopolartig geflogen werden. Die schauen wir eine nach der anderen an. Frankfurt teilen sich AUA und Lufthansa und nach Moskau fliegt die AUA schon seit Jahrzehnten.

Mit welchen Preisen fahren Sie bei Frankfurt hinein?
Bei NIKI kostet das billigste Ticket one-way 29 Euro inklusive aller Gebühren. Die kriegt jeder, der rechtzeitig, ich betone rechtzeitig, bucht. Bei der AUA kosten die billigsten Tickets, die red tickets, ab 159 Euro hin und zurück. Wer kurzfristig bucht, fliegt am teuersten. Aber wir sind auch da immer noch um 30 bis 40 Prozent billiger als AUA und Lufthansa.
Wie viele Plätze pro Flieger gibt es denn um 29 Euro?
Das variiert um die zehn Prozent.

Was sagen Sie dazu, dass der Flughafen Wien in Bratislava abgeblitzt ist?
Der Plan war, Punkt-zu-Punkt-Verkehr und Charter nach Bratislava auszulagern.
Ich habe meine Airline in Wien und ich bleibe da, weil ich hier das Passagieraufkommen habe, das ich brauche. Es kann wohl nicht so sein, dass mir der Flughafen sagt, wohin ich fliegen soll. Wobei ich aber sagen muss, dass ich mit dem Flughafen sehr zufrieden bin.

Über den Baubeginn der dritten Piste in Schwechat gibt es keine konkreten Aussagen ...
Ich verstehe grundsätzlich nicht ganz, dass es Leute gibt, die sich in der Nähe eines Flughafens ansiedeln und dann einen Wirbel machen. Wir Airlines zahlen jetzt 1,12 Euro pro Passagier in den Umweltfonds des Flughafens, damit Schallschutzfenster bei den Anrainern eingebaut werden. Das Quasi-Nachtflugverbot zwischen 23.30 und 5.30 Uhr kostet die Airlines Umsätze. Aber gut, mit diesen Mehrbelastungen kann ich leben. Nur, bei der dritten Piste hört sich der Spaß auf. Wir brauchen diese dritte Piste, weil Wien in Stoßzeiten an den Kapazitätslimits ist. Das ist ein dringender Appell, die dritte Piste so schnell wie möglich zu bauen. Für Wien ist
das auch eine wichtige Standortfrage.

Wie sehr freut Sie die Ansage des Flughafens, als Ersatz-Strategie für Bratislava u. a. Billig-Airlines zu forcieren?
Das halte ich für eine hervorragende Idee. Ich freue mich schon auf die Einladung, wie der Flughafen uns als zweitgrößten Kunden – und der sind wir mit unserem Partner Air Berlin – unterstützen will, damit wir noch schneller wachsen, wovon auch der Flughafen profitiert.
Die AUA lässt den Wert der Marke Lauda Air prüfen und wird im Herbst entscheiden, ob die Marke verschwindet. Schmerzt Sie das?
Erstens bin ich selbst schuld daran, dass es die Marken Lauda Air und NIKI gibt. Aber mittlerweile sehe ich das ironisch. Wäre ich die AUA, würde ich die Marke Lauda Air einstellen. Dafür brauche ich keine Studie. Denn sie wird nach wie vor mit mir assoziiert. Die Passagiere sehen jedoch, dass zwar Lauda draufsteht, aber nicht Lauda drin ist. Natürlich ist die Marke eine Werbung für mich und für NIKI.

Halten Sie die AUA für alleine überlebensfähig?
Pragmatisch gesehen, ist die Antwort relativ einfach. Die Vision des neuen AUA-Chefs Alfred Ötsch vom Alleinflug ist grundsätzlich richtig. Ob sich das wirtschaftlich ausgeht, wird man endgültig kommenden Jänner bis März sehen, denn da haben Airlines den geringsten Cashflow und dann wird sich die Zukunft der AUA entscheiden. Kritisch wird es ab Herbst, ab da wird sich zeigen, ob noch genügend Reserven da sind.

Wie tun Sie sich eigentlich mit Alfred Ötsch?
Obwohl wir Konkurrenten sind, haben wir eine korrekte und gute Gesprächsbasis.

Werden Sie heuer Gewinne einfliegen?
Wir können die Treibstoff-Mehrkosten derzeit durch das Mehraufkommen an Passagieren hereinbekommen. Ich glaube, dass wir wie 2005 wieder positiv werden, aber ich kann die Spritpreise auch nicht vorhersagen. Wir expandieren sehr konservativ aus dem eigenen Cashflow und haben keine Kredite.

Originallink: http://kurier.at/nachrichten/wirtschaft/25248.php