Flughäfen:
Verpasste Chance für Wien

VON PETER MARTOS (Die Presse) 28.10.2006

Hochtief übernimmt den Airport in Budapest.

WIEN/BUDAPEST. Der Flughafen Wien hatte sich für den Betrieb des Airport Budapest interessiert, sich aber aus dem Auktionsverfahren zurückgezogen, um sich auf Bratislava (Pressburg) zu konzentrieren. Nach dem dortigen Regierungswechsel wurde die Privatisierung abgeblasen - die Schwechater blieben ohne Filial-Flughafen. Bei einer überraschenden zweiten Gelegenheit, in Budapest zu landen, kommen sie zu spät.
"Budapest Airport", wie der Betreiber des Flughafens Ferihegy heißt, ging Ende 2005 an die britische BAA. Diese zahlte 465 Mrd. Forint (rund 1,8 Mrd. Euro) für 75 Prozent weniger einer Aktie, bekam das Betriebsrecht für 75 Jahre und verpflichtete sich, bis 2011 weitere 260 Mio. Euro in Ferihegy zu investieren. Der Flugverkehr soll von heute 8,2 Mio. Passagieren bis 2015 verdoppelt und bis 2020 auf 20 Mio. Fluggäste geschraubt werden. In Schwechat wurden im Vorjahr 16 Mio. Passagiere gezählt.
Die Briten arbeiteten nur wenige Monate in Budapest - die BAA wurde im Juni durch den spanischen Baukonzern Ferrovial übernommen, und damit auch das Ferihegy-Betriebsrecht. Da die Spanier sich auf die britischen Flughäfen konzentrieren wollen, suchten sie einen Käufer.
Obwohl sich auch der Flughafen Wien interessiert zeigt, wird "Budapest Airport" deutsch: Der Essener Baukonzern Hochtief hat sich nach eigenen Angaben "prinzipiell" mit der Ferrovial geeinigt. Offen seien nur noch zwei Details:
[*] Der Verkauf muss von der ungarischen Privatisierungsagentur ÁPV formell genehmigt werden. Dafür, so die ÁPV, müsse der Käufer alle von der BAA eingegangenen Verpflichtungen übernehmen. Hochtief hat sich dazu bekannt.
[*] Die beiden Baukonzerne müssen sich über den Preis einigen. Die Vorstellungen lägen "nicht allzu weit auseinander", heißt es.