"Die Presse" vom 27.08.2005 Seite: 13 Ressort: Chronik

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Flughafen Wien: Großbaustelle bleibt bis 2010

Ausbau und Umbau. Der neue Tower geht im Oktober in Vollbetrieb, am Terminal Skylink beginnen nun die Arbeiten.

Von ANGELIKA VARGA UND KLAUS STÖGER

SCHWECHAT. Zwischen Ostautobahn und Einfahrt Flughafen staut es sich wie eh und je. Parkhäuser sind überfüllt, vor der Abflughalle ziehen Touristen ihre Koffer über die Straße - Business as usual. Doch dahinter, in den für Passagiere unzugänglichen Bereichen, wird gehämmert, gesägt, gebaggert und betoniert. Der Flughafen Wien-Schwechat ist derzeit eine einzige Großbaustelle. In den Jahren 2004 bis 2010 werden auf dem Areal mehr als 850 Millionen Euro verbaut. Die markantesten Baustellen sind derzeit der neue Großterminal Skylink und das neue VIP-Center. Erst wenn 2010 der neue Bahnhof fertig sein soll, werden die Baumaschinen - und mit ihnen hunderte Arbeiter - wieder abziehen.

Schon in den nächsten Tagen gibt es an anderer Front erste Eröffnungen: Am Mittwoch werden auf jenem Platz im Hauptgebäude, wo früher das Kaufhaus Harrods englische Spezialitäten verkauft hat, acht neue Check-in Schalter eröffnet. Allerdings nur für ausgewählte Kunden: Einchecken dürfen dort nur Star Alliance-Passagiere mit teuren Tickets. Von anderen Fluggästen wird dieser Bereich wegen des versteckten Eingangs kaum wahrgenommen werden. Davor befindet sich auch der Eingang zum Duty Free-Bereich.

Ein viel spektakulärerer Bau geht mit Anfang Oktober in Betrieb: der neue Tower. In den 109 Meter hohen Turm flossen nicht weniger als 10.000 Kubikmeter Beton und 1300 Tonnen Stahl. Kosten: 32,1 Millionen Euro. Derzeit arbeitet die Fluglotsen noch sowohl im alten als auch im neuen Tower. "Da der neue Tower auch mit einem neuen System ausgestattet ist, wäre es ein zu hohes Sicherheitsrisiko an einem Tag von einem Tower auf den anderen umzusteigen, sagen Experten. "125 Mitarbeiter, von Fluglotsen bis Meteorologen, haben ab Oktober dort ihren neuen Arbeitsplatz", erklärt Mayer.

Die weiße Membranschicht, die den Turm umgibt, ist übrigens kein Provisorium. "Das wird so bleiben", sagt Mayer. Die Stunden des alten Tower - er stammt aus 1960 - sind gezählt. Er wird demnächst abgetragen.

Bereits eröffnet wurde ein "Terminal auf Zeit": Gegenüber der bestehenden Abflughalle wurden um 6,9 Millionen Euro neue Check-in Schalter (Terminal 1A) errichtet. Hier werden Passagiere von Air Berlin, Fly Niki, German Wings, Donbass und Brussels Airlines abgefertigt.

"Aber nur so lange, bis der neue Skylink Terminal fertig ist", berichtet Mayer. Das bedeutet: bis 2008. Dann sollen am neuen Terminal und dem dazugehörigen "Finger" Pier-Süd (Kosten: 366 Millionen Euro) 17 Flugzeuge andocken können. "Wir werden auch zwei Positionen haben, an denen der A 380 parken kann", so Mayer. Dass aber das größte Passagierflugzeug der Welt regelmäßig in Wien landen wird, glaubt man am Flughafen nicht.

Zu sehen ist vom Skylink bisher aber noch nichts. Außer einer riesigen Baugrube. Sie ist durch schräge Wände abgedeckt. Flugzeuge rollen auf dem Weg vom Vorfeld auf die Piste hier vorbei.

Im Oktober soll auch die erste Bauphase des neuen Luftfrachtzentrums (Air Cargo Center) abgeschlossen sein. Cargo-Handling-Flächen im Ausmaß von 12.000 Quadratmeter und ein Speditionsgebäude werden errichtet. Der Ausbau der Frachtgut-Logistik sei notwendig, denn "wir rechnen mit einer jährlichen Steigerung von sechs Prozent in den nächsten zehn Jahren". 2004 wurden 210.000 Tonnen Fracht am Flughafen abgefertigt. "Wir haben dabei vor allem von der Autoindustrie in den Nachbarländern profitiert", berichtet Mayer. Denn viele Komponenten für den Autobau würden aus aller Welt am Flughafen ankommen und von dort zu den Werken transportiert.

Bereits dem Erdboden gleichgemacht wurde das alte VIP-Zentrum - es stand dem Skylink-Projekt im Weg. Dort, wo einst ein Acker war, vor dem Mazur-Parkplatz an der B 9, wird derzeit ein neues VIP-Center gebaut. Rechtzeitig zur EU-Präsidentschaft Österreichs im ersten Halbjahr 2006, soll es im heurigen Dezember eröffnet werden. Knapp 15 Millionen Euro werden in den neuen Gebäudekomplex investiert.

Aber nicht nur an Cargo und VIP-Center wird gebaut. Auch der Bahnhof am Flughafen wird erweitert. Bahnsteige, an denen künftig auch Fernzüge halten können werden errichtet und eine zweite Tunnelröhre wird gebaut. Bis Dezember 2010 soll der Bahnhof, der 41,8 Millionen Euro kostet, fertig sein.

CAT-Ausbau bis Pressburg

Unterirdisch dockt der Flughafenzug CAT (City Airport Train) an. Am Bahnsteig ist meistens nicht viel los. Man sieht hier für gewöhnlich nur ein paar Geschäftsreisende, die den Zug Richtung Wien-Mitte besteigen. Das soll anders werden, wenn der CAT in einigen Jahren bis Pressburg verlängert wird.

Ein Angebot für eine Beteiligung am dortigen Flughafen haben die Wiener bereits deponiert. 65 Prozent des Flughafens in Pressburg will die slowakische Regierung nämlich verkaufen.

Dritte Piste noch umkämpft

Weniger konkret sind hingegen die Pläne für den Bau der dritten Piste. Das Mediationsverfahren, in das auch die Anrainer eingebunden wurden, ist zwar abgeschlossen, ab Herbst steht aber die Umweltverträglichkeitsprüfung am Programm. "Zweieinhalb bis maximal drei Jahre" wird es dauern, bis deren Ergebnisse vorliegen. Dann erst werde darüber entschieden, ob mit dem Bau begonnen wird, so Mayer. Bis dahin wird es allerdings noch heftige Diskussionen zwischen Anrainer-Verbänden und dem Flughafen geben.