Von: umwelttelefon [mailto:umwelttelefon@vie-umwelt.at]
Gesendet: Dienstag, 06. Dezember 2011 10:41
Betreff: AW: Beschwerde über den Fluglärm im 23. Bezirk...
(
Kommentare der BI Liesing in blau.)
 
Das Team des Infotelefons Umwelt & Luftfahrt bestätigt den Erhalt Ihrer Beschwerde und bedauert, dass Sie sich durch Flugverkehr gestört fühlen.
 
Betreffend der Flugbewegungslenkung möchten wir einleitend feststellen, dass im Bereich Liesing vor allem Starts auf den Abflugstrecken (SID) "LANUX1C" und "KOVEL1C" von Piste 29 merkbar sind, wobei der Anteil dieser Abflugstrecken im Vergleich zu allen Starts am Flughafen Wien-Schwechat rund 8 % beträgt und es in den letzten Wochen auch keine Änderung in der Flugbewegungslenkung dieser Abflugstrecken gab. 
Kommentar: Abgesehen davon dass es 2010 10% waren, ist das grundsätzlich richtig, es verfestigt sich aber der Eindruck, dass immer rücksichtloser geflogen wird.
 
Die Sensibilität von Starts 29 über Wien 23 ist allen am Flugverkehr Beteiligten bewusst. Ihre Betroffenheit ist von unserer Seite durchaus nachvollziehbar, zumal einzelne Abflugstrecken von Piste 29 über Teile Wiens und Niederösterreichs führen, in denen aufgrund der sehr geringen Umgebungsgeräusche die Überflüge besonders auffällig sind. Zusätzlich ist eine stark wechselnde Überflughäufigkeit zu beoabachten, wobei bei Westwind und Windstille vermehrt in Pistenrichtung 29 gestartet wird, während bei süd/südöstlichen Winden kaum Überflüge von startenden Flugzeugen in Ihrem Bereich zu verzeichnen sind, unabhängig davon, ob es sich um Werktage, Feiertage oder Wochenenden handelt. Dies führt ebenfalls zu einer verstärkten Wahrnehmung der Überflüge. 
Kommentar: Über Liesing wird fast ausschliesslich bei Windstille gestartet, bei starken Westwind werden die Ziele, die sonst über Liesing angeflogen werden, nur über Flugrouten von der Piste 34 (Richtung Nordnordwesten) angeflogen.
 
Die An- und Abflugstrecken wurden im Rahmen des Mediationsverfahrens unter Mitwirkung der daran beteiligten Verfahrensparteien im Konsens beschlossen und in weiterer Folge vom Verkehrsministerium als Oberste Zivilluftfahrtbehörde genehmigt. Die Routen wurden nicht primär nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gewählt, sondern mit dem Ziel, die Anzahl der Betroffenen möglichst gering zu halten. Es wurde im Rahmen des Mediationsverfahrens auch vereinbart, nach 21 Uhr und vor 7 Uhr keine Flüge auf den o.a. SID's durchzuführen (ausgenommen Ambulanzflüge).
Diese Zeitspanne ist an keinem anderen europäischen Flughfen zu finden. 
Kommentar: Verfahrensparteien waren der Flughafen, die AUA, die Austro Control, Land Wien und NÖ und ein paar Bürgerinitiativen, aber kein einziger Vertreter aus Liesing. Dass die Flugroute 2004 nach Liesing verlegt wurde, um damit die Anzahl der Betroffenen möglichst gering zu halten, ist Schwachsinn. Deutlich weniger Fluglärm haben laut einem Artikel im Kurier seit dem vor allem der Chef der Austro Control aber auch der damalige Flughafenchef.
 
Um sich selbst ein Bild über die Flugbewegungslenkung zu machen, möchten wir Sie auf das Online Portal
www.flugspuren.at verweisen. Sie erhalten hier sämtliche Informationen über die Flughöhe, die Antriebsart des Flugzeuges und den Verlauf von Starts und Landungen (Informationen lt. Umweltinformationsgesetz). Zusätzlich können Sie auch die Anzahl der Flugbewegungen und die Verwendung der Pisten nachvollziehen. 
Kommentar: auch wenn es mühsam zu bedienen ist, sind die Flugspuren eine interessante Informationsquelle - allerdings immer erst mit bis zu 48 Stunden Verzögerung und dann nur jeweils 14 Tage. Die meisten Flugzeuge sind auch beinahe online beobachtbar http://flightradar24.com 
 
Weiters möchten wir Ihnen auch mitteilen, dass jeder Flug - Start und Landung  - vom Flughafen Wien/Umweltcontrolling im Rahmen des täglichen Monitorings auf Einhaltung des sollkurses gemäß der geltenden Vorschriften und Vereinbarungen überprüft wird. Etwaige Abweichungen werden an die österreichische Flugsicherung zur Analyse weitergeleitet, bei welcher insbesonders überprüft wird, ob die Abweichung z. B. aus Sicherheitsgründen angewiesen werden musste. Die Ergebnisse werden im jährlichen Evaluierungsbericht des Dialogforums veröffentlicht 
Kommentar: Im Evaluierungsbericht steht auch, dass nicht einmal die für die vorher nicht betroffenen Liesinger extrem ungünstigen Vereinbarungen eingehalten werden. 2010 wurde rund 10% statt 6.8% aller Starts über Liesing geleitet. Also eine Überschreitung des "Verhandlungsergebnisses" von 46,5%. Mehr dazu unter http://www.fluglaerm.at/liesing/Download/Podiumsdiskussion20110922Schmaehs.pdf